Zeitzeugen zu Fukushima und Tschernobyl 2015

Zeitzeuge zu Fukushima:                                                                                                                     In der Zeit vom 09. bis  15. März steht Takashi Kunimoto (in Deutschland lebender japanischer Regiseur) als Fukushima-Zeitzeuge zu Gesprächen und für Filmvorführung seines Filmes über Hiroshima-Überlebende in Schulen und Gruppen zur Verfügung.

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Takashi Kunimoto (rechts) bei Filmarbeiten zum Thema „Asse II“

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Zeitzeugin zu Tschernobyl:                                                                                                                 In der Zeit vom 20. bis voraussichtlich 30. April steht  Anna Fitseva, Physiklehrerin / Umsiedlerin aus dem Kreis Dobrusch gebiet Gomel  für Zeitzeugengespräche  in Schulen und Gruppen zur Verfügung.

Фото2820                                                                                                      Anna Fitseva / Brest (Belarus)

Die Terminkoordination für beide Zeitzeugen über  Paul Koch, 05332/8859010 oder  0152/31768442 / paul.koch47(at)gmx.de

Informationen zu Anna Fitseva:

Über die Katastrophe in Tschernobyl habe ich am 27. April erfahren, ein Tag danach. Wir wurden nicht informiert, aber ich war Physiklehrerin und verstand, was passier war. In jenen Tagen haben wir Rosensetzlingen von der Leitung unserer Sowhose „neuer Weg“ Kreis Dobrusch Gebiet Gomel gratis bekommen und waren die ganze Zeit draußen, um unsere Vorgärten im Dorf Igowka schöner zu machen
Wir haben gerade die neuen Einfamilienhäuser bekommen und freuten uns auf das neue Leben. Die Kinder spielten draußen, unsere Männer arbeiteten. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass unser Leben ganz anders wird. Nach ein paar Tagen erfuhren wir, dass die Einwohner aus Narowlja, Bragin, Hoiniki evakuiert werden. Wir wollten wissen, was passiert war, aber unsere Behörden schwiegen… Die örtliche Behörde versuchte uns zu überzeugen, dass wir keine hohe Strahlenwerte haben, obwohl wir bei sonnigem Wetter schwarze Wolken über unser Dorf beobachteten. Im Juli wurden Familien mit kleinen Kindern nach Russland ins Wladimirskaja Gebiet zur Erholung gebracht.. ich mit zwei Töchtern, die 7 und 3 Jahre alt waren, waren auch dabei. Ende August kamen wir zurück, im September begann die Schule. Wir bekamen ein Paar Messgeräte und im Physikunterricht maßen wir die Radioaktivität mit den Schülern auf dem Schul und Kindergartengelände, unter den Dächern, auf unseren Grundstücken. Die Werte waren verschieden. Am höchsten waren die untern den Dächern der Schule und der Häuser. Die Fachleute des Sowhoselabors nahmen die Grundproben zur Untersuchung und es wurden hohe Strontiumwerte im Boden festgestellt. Unser Dorf bekam den Titel „Das Dorf, das Recht auf Umsiedlung“ hat. Viele Familien haben das Dorf verlassen, einige kehrten zurück, sie konnten sich nicht an neue Orte gewöhnen. Dann begann man mit der Genesung der Kinder in den nicht betroffenen Gebieten des Südens der Sowjetunion. Jährlich wurden Kinder von 3 bis 16 Jahren für 3 Monate zur Erholung zusammen mit den Lehrern geschickt. Vormittags wurde der Unterricht erteilt, am Nachmittag Schwimmen im Meer, Wettbewerbe, Briefeschreiben an die Eltern, Bücherlesen usw. In der Nacht weinten viele Kinder, sie wollten zu ihren Eltern, wir, Lehrer, versuchten sie zu beruhigen und wenn kein Mensch dabei war, weinten wir auch. 1990 haben 3 Familien aus unserem Dorf die Möglichkeit zum Aussiedeln bekommen. Seit jener Zeit wohne ich mit meiner Familie im Dorf Pelischtsche 30 Km von Brest und arbeite in der Schule als Physiklehrerin. Aber wir haben die Verbindung mit unserer Heimat, denn dort blieben unsere Eltern. Jetzt dürfen wir einmal im Jahr hin, um den Friedhof zu besuchen, wo unserer Eltern ruhen.
Tschernobyl hat unser Leben in 2 Perioden geteilt: vorher und nachher, aber unser Gedächtnis hat alles behalten und solche Schrecken dürfen nie wieder vorkommen.

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