Predigt von Paul Koch (Sozialdiakon i.R.) am Schöpfungsgottesdienst 20.09.2015 – Wolfenbüttel Trinitatiskirche

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“  Diese indianische Weisheit ist sehr bekannt und macht uns bewusst, dass unser Umgang mit den Ressourcen der Umwelt viel mit Geld zu tun hat und das einige Menschen den Wert des Geldes höher einschätzen als den Wert der Natur und Umwelt – bis, ja, bis es vielleicht zu spät ist.
Eine weitere – weniger bekannte indianische Weisheit, hat nicht nur das Geld sondern auch unsere Verantwortung für die nachfolgende Generation im Focus. Es geht um das vermeintliche Streben nach einer besseren Welt. Im Folgenden äußert das Naturvolk ihre Meinung über die sogenannte zivilisatorische Gesellschaft: „Vieles ist töricht an eurer Zivilisation. Wie Verrückte lauft ihr weiße Menschen dem Geld nach, bis ihr so viel habt, daß ihr gar nicht lang genug leben könnt, um es auszugeben. Ihr plündert die Wälder, den Boden, ihr verschwendet die natürlichen Brennstoffe, als käme nach euch keine Generation mehr, die all dies ebenfalls braucht. Die ganze Zeit redet ihr von einer besseren Welt, während ihr immer größere Bomben baut, um jene Welt, die ihr jetzt habt, zu zerstören.“ Ein vernichtendes Urteil!
Vermutlich sind diese beiden indianischen Weisheiten vor ca. 160 Jahren entstanden. Damals, nämlich im Jahr 1855, stand der Indianer-Häuptling Seattle vor dem amerikanischen Kongress, und richte seine Worte an den damaligen amerikanischen Präsident Franklin Pierce. Diese berühmte Rede beginnt mit den Worten: „Der große Häuptling in Washington sendet Nachricht, daß er unser Land zu kaufen wünscht. Der große Häuptling sendet uns auch Worte der Freundschaft und des guten Willens. Das ist freundlich von ihm, denn wir wissen, er bedarf unserer Freundschaft nicht. Aber wir werden sein Angebot bedenken, denn wir wissen – wenn wir nicht verkaufen, kommt vielleicht der weiße Mann mit Gewehren und nimmt sich unser Land. Wie kann man den Himmel kaufen oder verkaufen – oder die Wärme der Erde? Diese Vorstellung ist uns fremd. Wenn wir die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers nicht besitzen – wie könnt ihr sie von uns kaufen?„   Der Indianerhäuptling macht sehr deutlich, dass sie etwas verkaufen sollen, was eigentlich gar nicht käuflich ist. Und dennoch weis der Häuptling, es läuft alles darauf hinaus, dass er und sein Volk den Landstrich den sie seit Urzeiten bewohnen, nun verlassen werden müssen. So deutlich wie seine Einleitung war die gesamt, lange Rede, die in voller Länge überliefert und im Internet nachzulesen ist. Die Kurzfassung der Rede lautet wie folgt: „Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig (…), denn die Erde ist des roten Mannes Mutter. (…) Wir wissen, daß der weiße Mann unsere Art nicht versteht. Er behandelt seine Mutter, die Erde, und seinen Bruder, den Himmel, wie Dinge zum Kaufen und Plündern, zum Verkaufen wie Schafe oder glänzende Perlen. Sein Hunger wird die Erde verschlingen und nichts zurücklassen als eine Wüste. (…) Die Erde ist unsere Mutter. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. (…) Denn das wissen wir: die Erde gehört nicht den Menschen. Der Mensch gehört zur Erde. Alles ist miteinander verbunden. (…) Die Erde verletzen, heißt, ihren Schöpfer verachten.“ „Die Erde verletzen, heißt, ihren Schöpfer verachten.“ – deutliche und mahnende Worte des Indianer-Häuptlings!
Die Indianer haben offensichtlich besser verstanden als wir, was es heißt die Schöpfung zu bewahren und zu pflegen, damit auch nachfolgende Generationen noch von und mit ihr leben können. Gott sei Dank gibt es in unserer Gesellschaft nicht nur die Geldgier, sondern auch Menschen die die Schöpfung Gottes achten, die die Natur schützen und sich der unreflektierten Ausbeutung der Natur in den Weg stellen. Gott sei Dank gibt es in unserer Gesellschaft nicht nur Wissenschaftler und Forscher die mit Halbwahrheiten arbeiten und Gutachten so formulieren, dass ein vorher festgelegtes Ergebnis erzielt wird. Deutliche, kompromisslose Worte eines Klimaforschers konnte letzte Woche in der B.- Zeitung lesen. Der Klimaforscher appelliert an die Wirtschaft, mehr für den Umweltschutz zu tun. Der Klimaforscher meint, Konzerne seien zu sehr auf schnellen finanziellen Erfolg aus und hätten damit einen gewichtigen Anteil am Klimawandel. Als Beispiel nannte er die Autobauer, die mit „Spritschleudern“ und den immer beliebter werdenden Geländewagen Milliarden verdienen. Wir wissen, dass auch die Autobauer mit ihrem Tun von Gesetzen und Regeln der Politik abhängig sind. Die Politik ihrerseits ist an einer positiven Wirtschaftsentwicklung interessiert und will nicht zu viele Einschränkungen machen, die möglicherweise das Wirtschaftswachstum behindern könnte. Denn Wachstum ist das Schlüsselwort der Politik. Wächst die Wirtschaft, wachsen die Steuereinnahmen…
Die ganze Klimaschutz – Debatte ist wie ein Tanz auf dem Vulkan, bei dem man sich seit Jahren eher im Kreise dreht als dass man zielorientierte Ergebnisse abspricht.
Das Klima ist eine Sache, aber wir leben derzeit mit einer noch größeren Bedrohung, eine Bedrohung von der dir Indianer in all ihrer Weitsicht noch keinen Schimmer hatten, inzwischen aber auch Opfer dieser Bedrohung sind. Den Indianern erging es da nicht viel besser als vielen anderen Ursprungsvölker (indigene Völker) weltweit. Zuerst müssen sie ihr fruchtbares Land verlassen und in karge Bergregionen ziehen. In vielen Fällen wurde dabei auf eine freundliche Einladung und einen einigermaßen fairen Handel verzichtet. Wenn dann in den Bergen womöglich Uran gefunden wird, freuen sich die indigenen Völker zunächst über die Möglichkeit einer bezahlten Arbeit, und damit über regelmäßiges Einkommen zu verfügen. Dass die Arbeit schlecht bezahlt wird und diese Tätigkeit den Verlust der Gesundheit nach sich zieht, bemerken sie zu spät und finden kaum jemanden, der ihnen helfen würde für ihr Rechte einzutreten.
Diese Bedrohung – sie haben es sicher schon vermutet – ist die ionisierende und radioaktive Strahlung. Hier ist es wie bei den vier Elementen. Das Vorhandensein der Strahlung – vor allem wenn wir von der natürlichen Strahlung sprechen – ist grund-sätzlich positiv. Aber, wenn es zu viel wird und wenn zur natürlichen Strahlung die künstliche Strahlung kommt, kann es Probleme, kann es ernste Probleme geben.
Die künstliche Strahlung im medizinischen Bereich (die Nuklearmedizin, die Strahlentherapie und die Röntgendiagnostik) gilt es mit großer Vorsicht einzusetzen, damit sie auch wirklich nur positiv wirkt!
Das auch das zu häufige Röntgen Gesundheitsschäden auslösen kann, macht die aktuelle Röntgenverordnung deutlich, die seit 2002 in Kraft ist. Dort heißt es im Paragraph 28, „dass der behandelnde Arzt bei Röntgenuntersuchungen Röntgenpässe bereitzuhalten und der untersuchten Person anzubieten hat. Der Patient hat das Recht, bei einer Röntgenuntersuchung einen Röntgenpass zu verlangen; legt er bei einer Untersuchung den Pass vor oder wird ein Pass ausgestellt, sind die entsprechenden Informationen einzutragen“. Dadurch, so heißt es weiter, sollen unnötige Wiederholungsuntersuchungen vermieden und Vergleichsmöglichkeiten mit vorherigen Aufnahmen geschaffen werden. Haben Sie von Ihrem Arzt schon einmal einen Röntgenpass angeboten bekommen –
oder haben Sie schon einmal einen verlangt? Mir war diese Information allerdings auch neu!  Einen „Strahlenpass“ müssen ganz selbstverständlich Personen mit sich führen, die aus beruflichen Gründen in ihren Betrieben ionisierender Strahlung ausgesetzt sind. Hier ist der Pass für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen sowie für die Bilanzierungen der beruflichen Exposition und der Berufslebensdosis wichtig. Und damit sind wir im Bereich der anderen (außermedizinischen) künstlichen Strahlung, vor allem im Bereich der Kernkraftwerke und Forschungsreaktoren. Ein Strahlenpass ist hier grundsätzlich Vorschrift! Die Informationen zum Röntgen- und Strahlenpass machen deutlich, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit künstlicher Strahlung im ganz normalen, alltäglichen oder beruflichen Umgang ist. Wenn es dann zu Nuklearunfällen kommt wird es ganz kritisch. Kinder in Fukushima sollen auch 4 Jahre nach den Explosionen in dem TEPCO-Kernkraftwerk ihre Strahlendosis in einem Heftchen notieren und sie dürfen maximal 30 Minuten pro Tag im Freien verbringen. Kinder und Erwachsene im Einzugsbereich des 1986 havarierten Leninkraftwerks in Tschernobyl müssen auch noch heute (und zwar weit über die sog. Sperrzone hinaus) z.B. auf den Verzehr von Beeren und Pilzen verzichten, wenn sie nicht vorher geprüft und für den unbedenklichen Verzehr freigegeben sind. Für Kinder in den kontaminierten Gebieten (auch hier weit über die sog. Sperrzone hinaus) ist es auch heute noch wichtig, die belastete Region einmal im Jahr für 3-4 Wochen zu verlassen um sich von der Strahlen-Belastung – die hauptsächlich durch die die Nahrungskette, also belastete Nahrung, verursacht wird – zu erholen. Die vielen Tschernobyl-Liquidatoren mit gesundheitlichen Problemen kämpfen um Anerkennung ihrer Krankheit – als Krankheit in Folge des Einsatzes am havarierten Reaktor – und sie kämpfen um die notwendigen Medikamente.
Die Strahlengefahr ist aber auch vor unserer Haustür. Ich will nur die Stichworte „Asse II“, „Morsleben“ und „Eckart und Ziegler/Braunschweig“ genannt haben und will darüber hinaus auf die sogenannte „KIKK-Studie“ hinweisen. Es geht um die „Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken“, die mehrfach von unterschiedlichen Professoren und Institutionen in Angriff genommen wurde. Anfangs belächelt, dann aber mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) erneut durchgeführt wurde. Diese epidemiologische Studie zu Kinderkrebs kommt zu dem Ergebnis, dass die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern in der Nähe von deutschen Kernkraftwerken um ca. 50 % erhöht ist. Die Autoren konnten außer dem Faktor „Abstand zum Kernkraftwerk“ keine andere Ursache ausfindig machen, halten radioaktive Emissionen aber nicht für den Auslöser des erhöhten Risikos.
Dies ist die offizielle Version. Es gab auch Mit-Autoren der Studie, die den Zusammenhang zur ionisierenden Strahlung sehr wohl sehen, sich aber in der offiziellen Darstellung nicht durchsetzen konnten.
Dieses Wissen um die Gefahr der ionisierenden Strahlung, eben nicht nur das Wissen um die Gefahr eines Super-Gau´s wie Tschernobyl und Fukushima hat Wissenschaftler und Ingenieure umdenken und nach alternativen zur Kernkraft suchen lassen. Und welch Wunder, die Wissenschaftler und Ingenieure haben festgestellt, dass die Natur, die vier Elemente – jedes für sich – ein hohes Potenzial an Energiegewinnungs-Möglichkeiten mitbringt. Studien besagen, dass alleine die Sonne so viel Energie vorhält, dass wir sonst keine Rohstoffe für die Energiegewinnung verbrauchen müssten. Auch Wind, Wasser und die Erde halten Potenzial für eine alternative Energiegewinnung bereit. Die Schöpfung hält alles bereit, damit wir genug von dem haben, was wir brauchen. Das gilt für die Nahrung der Menschen – es ist so viel da, dass keiner auf der Welt hungern müsste. Und das gilt für die Energie, die wir benötigen um beweglich zu sein und um eine warme Wohnung und warme Mahlzeiten zu haben.

Es ist an der Zeit nachzulesen wie das von unserem Schöpfergott gedacht war. In 1. Mose 1/ 26 und folgende lesen wir: Und Gott sprach: Laßt uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht. Und Gott sprach: Seht da, ich habe euch gegeben allerlei Kraut, das sich besamt, auf der ganzen Erde und allerlei fruchtbare Bäume, die sich besamen, zu eurer Speise, und allem Getier auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das da lebt auf Erden, daß sie allerlei grünes Kraut essen. Und es geschah also. Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte; und siehe da, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.

Und siehe da, es war sehr gut. Sehr gut! Eine eins! Besser geht es nicht! Es ist an alles gedacht. Kein Wenn und Aber: alles ist sehr gut. Der Mensch ist geschaffen mit dem Potenzial sich zu vermehren, genauso wie auch Pflanzen und Tiere. Damit ist ein Zyklus geschaffen der ewig halten könnte. Und siehe es war alles sehr gut.

Eine lange Zeit ist bisher vergangen. Schauen wir uns die Welt heute an – und wir können nicht mehr uneingeschränkt sagen: Es ist alles sehr gut. Im Gegenteil: Riesige strahlende Abraumhalten mit verstrahlter Erde und Gestein in der Nähe von Uranbergwerken, denn in der Regel ist max. 5 % von den freigelegten Uranerz für die Energiegewinnung nutzbar – verbleiben 95 % Müll – auf Jahrtausende verstrahlter Müll. Dann die Gesundheits-gefährdung durch Atomkraftwerke wie es die KIKK-Studie belegt – ganz zu schweigen von den Nuclear – Unfällen und die Entsorgung abgebrannter Brennelemente und die verstrahlten Materialen die beim Rückbau der Atomkraftwerke anfallen. …Und das Europäische Parlament setzt immer noch auf Atomenergie, weil unsere Politiker in Brüssel meinen, dass sonst der Energiehunger nicht gestillt werden könnte.

Deshalb ist es wichtig, dass sich Christen, Umweltschützer und Atomgegner europaweit vernetzen und mit dem Hinweis auf Energiesparmaßnahmen und dem Hinweis auf alternative, regenerative Energie einen Weg aufzeigen wie man im Einklang mit der Natur, der Schöpfung Gottes, die notwendige Energie erzeugen kann.

Mit indianischen Weisheiten habe ich meine Predigt begonnen, mit einem indianischen Gebet schließe ich: Gott, unser Vater, gib uns Herzen, die verstehen, nie mehr von der Schöpfung zu nehmen als wir geben; nie mutwillig zu zerstören zur Stillung unserer Gier; nie zu verweigern unsere Hand, wo es gilt, die Erde aufzubauen; nie von ihr zu nehmen, was wir nicht bedürfen. Denn, wenn wir die Erde mit Liebe umgeben, wird sie auch für uns sorgen. Darum bitten wir dich durch Christus, unsern Herrn.

Amen.

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